Samstag, 12. November 2011

SIGUR RÓS "Inni"



Fotos: Jabs

Wenn der Vater mit dem Sohne... 
Ich war mal wieder mit meinem Erstgeborenen in einem Lichtspielhaus. 
Bei meinen vorangegangenen Kinoabenden verloren sich durchschnittlich handgezählte vier zahlende und traurige Gestalten vor einer Leinwand. 
Heute war 20 Minuten vor dem Anpfiff die Hütte rappelvoll... 
"Inni", der neue Musikfilm der grandiosen Band Sigur Rós stand auf dem Programm des Babylon-Mitte. 
Dieser Streifen ist eine einzige hymnische Feier der Musik des sympathischen und so angenehm uneitlen isländischen Quartetts. Es geht nur um ein monumentales Konzert, das unkonventionell, artifiziell dokumentiert wurde. Man sieht nicht so viel. Alles in schwarzweiß gedreht, aber diese Farben kommen gar nicht vor. Dafür schwelgt der Zuseher in verhuschtem hellgrau und dunkelgrau, sogar im gleißenden Gegenlicht der Bühnenscheinwerfer und im Dunkel des Hintergrundes... Als ich mich daran gewöhnt hatte, konnte endlich die Musik wirken. Der Kontrast zwischen den wabernden Bildern und der kristallklaren Musik eröffnet jedoch den Ohren unendlichen Genuss. Sphärische mystische, aber auch wahrlich mitreißende Klänge bringen Gefühle in opulenten Klangteppichen zum Schwingen. Ein Cellobogen malträtiert ja gemeinhin die Gitarre des Sängers Jónsi, es ist aber interessant, wenn er dann seine charismatische Falsettstimme durch den Tonabnehmer des Instruments klingen lässt. 
Zwischen wenigen Musikstücken werden Einspielfilmchen gezeigt. Irgendwie zusammenhanglose alte Videoaufnahmen der Gruppe, die sind zwar bunt, aber die Farben erscheinen genau so verwaschen wie das Schwarzweißmaterial. Einige Szenen sind nichtsdestotrotz sehr witzig. Z.B. antworten die Jungs auf eine Frage eines Radiomoderators einfach nicht oder sie werden beim nächtlichen Üben am Klavier zweimal aus der Pianobar eines Hotels geschmissen oder ein Fan antwortet auf die Frage, welchem Genre die Platten der Combo zuzurechnen sind mit: "Das ist Metal"...  
Natürlich ist die gewaltige Schlusseinstellung absoluter Höhepunkt eines fantastischen Hörgenusses. Hier scheppert es so richtig und auch optisch werden alle Register gezogen! 
Mir würde es noch besser gefallen, wenn man die Lautstärke hochregeln könnte... 

Nebenbei: Bei der vorangegangenen Filmpremiere von Sigur Rós in Berlin ("Heima") waren die Wunderknaben anwesend und spielten ein kleines fabelhaftes Konzert im Admiralspalast...     


Der Kommerz lässt grüßen: 
Sigur Rós präsentiert zeitgleich mit diesem Film verschiedene Editionen (CD, DVD, Vinyl, Blu-ray, Fotos) zu gepfefferten Preisen: http://www.sigur-ros.co.uk/ 

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